Sie leben in Bach, Fluss und See und doch sind sie so unscheinbar. Sind wir ehrlich: Wir Fischer konzentrieren uns auf die grösseren Fische. Hecht, Seeforelle und Egli sind interessanter als kleine, unscheinbare Weissfische. Tatsache ist, dass fünf von sechs einheimischen Fischarten, die auf der Roten Liste der Schweiz als gefährdet eingestuft sind, Kleinfische sind. Dabei haben gerade die kleinen Wasserbewohner grosse Auswirkung auf das gesamte Ökosystem Wasser.

Deutlich wird es beim Ausweiden von Salmoniden wie Bach- und Seeforelle. Es sind Kleinfische, welche sich in ihren Magen befinden. Es sind Elritzen und Groppen. Beide haben eines gemeinsam: Wanderhindernisse bedrohen ihre Existenz. Bekanntlich sind Fische auf vernetzte Gewässer angewiesen. Während grosse sprungkräftige Fische Wasserhindernisse bis 70 cm überwinden können, ist es ihre Grundnahrung, die Kleinfische, für die schon minimale Abstürze nicht zu überwinden sind. Wanderhindernisse bedrohen die Artenvielfalt unter den Fischen. Und Wanderhindernisse müssen verschwinden oder passierbar gemacht werden. Kleine Hindernisse erhalten bei Gewässeraufwertungen leider oft zu wenig Beachtung. Deshalb müssen in Zukunft auch solche Hindernisse vermehrt eliminiert werden. Nur so ist es auch für kleine Fische möglich, einen vollständigen Lebenszyklus zu führen und selbsterhaltene Populationen zu bilden.

Groppe

Anzutreffen ist die Groppe in fast allen Gewässern des Berner Oberlands. Sie bevorzugt Bäche, Flüsse und Seen mit hoher Sauerstoffkonzentration. Groppen besitzen keine Schwimmblase und sind deshalb schlechte Schwimmer, welche sich vorwiegend am steinigen Grund aufhalten. Trotzdem sind sie alles andere als stationär! Sie legen grosse Strecken zurück. Die grössten Exemplare werden 15 cm lang. Sie besitzen einen leicht flachen Körper ohne Schuppen. Weiter ist sie eine Meisterin der Tarnung. Auffallend ist der bullige Kopf, um den die grossen Brustflossen wie ein Fächer ausgerichtet sind.

Elritze

Die Elritze ist ein kleiner lebhafter Schwarmfisch und kommt vor allem in flachen, klaren und sauerstoffreichen Gewässern mit viel Strömung und kiesigen Untergründen vor. Es gibt sie jedoch auch in unseren hochgelegenen Bergseen wie dem Arnen-, Engstlen- und Öschinensee. Bei genauer Betrachtung können auch Exemplare in Thuner- und Brienzersee festgestellt werden. Meistens sind die durchschnittlich 8 cm kleinen Fische an der Wasseroberfläche und am Ufer zu finden. Dabei entfernen sie sich kaum von ihren Versteckplätzen. Darum bevorzugen sie auch Bereiche mit vielen Strukturen wie Steine und Holz. Das Vorkommen von Elritzen ist meistens ein Zeichen, dass die Wasserqualität stimmt. Verschwinden sie, ist es oft ein Indikator für Vorkommen von Schadstoffen im Gewässer.

Es ist äusserst wichtig, dass bei Gewässeraufwertungen auch die unscheinbaren Arten berücksichtigt werden. Aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer grossen Anzahl sind sie äusserst wichtig und die Basis des Lebens vieler grösserer Artgenossen. Darum geben wir vermehrt Acht auf die Vertreter der kleinen Fischarten in unseren Gewässern…

Bilder Groppen: Karl Moser KM9

     
 
 

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