Zweifelslos ist sie kein willkommener Gast in Gewässern des Berner Oberlands. Denn die Wandermuschel kann in der heimischen Wasserwelt andere Tierarten stören: mancherorts sind sie nachgewiesenermassen verantwortlich für das Aussterben der einheimischen Arten.  

Ursprünglich wurde die Wandermuschel durch den Transport von Freizeitbooten vom Ausland in die Schweiz eingeschleppt. Vergleichbar mit der bekannten unschönen Situation der Schwarzmeergrundel: Über den Main-Donau-Kanal gelangten Grundeln bis in den Rhein bei Basel. Diese invasiven Grundeln sind wegen ihrer Gefrässigkeit eine grosse Bedrohung für die einheimische Fischfauna. Sie vermehren sich explosionsartig. Wir Fischer sind in der Pflicht, diese Grundeln nicht weiter zu verbreiten (z. B. als Köderfische). Neben ihrer direkten Bedrohung können neue Arten immer auch Träger von bislang unbekannten Krankheiten sein (zum Beispiel Krebspest).

Die ersten Sichtungen von Wandermuscheln hierzulande gehen in die 60er Jahre zurück. Bezogen auf den Thunersee sprechen Taucher von Exemplaren seit 2010. Trotz ihrer geringen Grössen von max. 3cm können sie beträchtlichen Schaden anrichten und ganze Ökosysteme negativ beeinflussen. So behindern die Wandermuscheln die grossen einheimischen Muscheln, indem sie auf ihnen wachsen. Die einheimische Art kann sich so nicht mehr ernähren. Weiter ernähren sie sich vorwiegend von Plankton – bekanntlich der gleichen Nahrungsquelle wie die vieler einheimischen Fische. Wenn wir Fischer uns gedanklich einige Jahre zurückversetzen haben wir doch selten Wandermuscheln an unseren Bootsrümpfen oder an Kühlsystemen der Bootsmotoren festgestellt. Heute sind Wandermuscheln nach wenigen Monaten ohne Putzete Standard. Es ist also eine Frage der Zeit bis sie weite Teile des Thunersees bevölkern.

Was können wir Fischer dagegen machen? Leider nicht viel! Jedoch können dieselben „3 goldenen Regeln  zur Vermeidung von Fischkrankheiten“ angewendet werden:

  1. Kein Wasser, keine Fische zwischen verschiedenen Gewässerabschnitten transportieren!
  2. Alle Angelgeräte, Wathosen und Stiefel vor dem Fischen an einem anderen Gewässer trocknen und desinfizieren!
  3. Nur Köderfische verwenden, die aus dem befischten Gewässerabschnitt stammen!

Eine Eindämmung der Bestände von Wandermuscheln ist durch die Förderung natürlicher Fluss- und Seeufer möglich. Denn auf sandigen oder weichen Unterlagen überleben die Muscheln schlechter. Steine oder harte Uferverbauungen sind hingegen optimale Lebensbedingungen für diese invasive Art.

Setzen wir uns darum umso mehr für natürliche Gewässer in unserer Region ein – damit es unseren Fischen besser geht!

Weitere Informationen über die Wandermuscheln gibt es unter www.neozoen.ch