Schleppfischen & Schleppmethoden

Im Gegensatz zum Spinnfischen ist das Schleppfischen eine weitgehend passive Raubfisch-Angelei mithilfe eines (motorisierten) Bootes. Das heisst, es erfordert zu Beginn sowie zum Abschluss einen grösseren Aufwand, dafür kann definitiv mit kapitalen bzw. kapitaleren Fangerfolgen gerechnet werden. Während die Köder im Wasser selbständig laufen, gilt es, die erfolgsversprechenden Stellen abzufahren. Der Hauptvorteil liegt in der Anzahl der Köder, welche gleichzeitig gefischt werden. Die maximale Anzahl der Köder wird durch das Fischereireglement des entsprechenden Gewässers und Kantons bzw. deren Vorschriften bestimmt. Nur eine ständige Auseinandersetzung mit der Natur bringt die gewünschten Erfolge. Schleppfischer müssen sich laufend mit den Fischen, deren Nahrung und momentanen Aufenthaltsbereichen beschäftigen und gehen zielgerichtet einer spannenden Jagd nach. Die Freude über den Fang eines kapitalen Fisches sorgt in Gesellschaft Gleichgesinnter jahrelang für anregende Gespräche. Schon das gegenseitige Helfen und der Austausch von Tipps und Tricks über fängige Köder, Gewässerstellen, Beobachtungen und Fanggebiete machen eine Schlepptour zum aufregenden Abenteuer. Der Schatten des Bootes, der Lärm vom Motor und seinen Schraubengeräusch verscheuchen die Fische entweder seitlich weg vom Boot oder in die Tiefe. Verschiedene Methoden der Schleppfischerei helfen, diese Gegebenheiten zu nutzen und sogar zum Vorteil zu machen. Weiter werden beim Schleppen auch XXL Köder (30-45 cm) angeboten. Auch aus diesem Grund werden hier die durchschnittlich grösseren Räuber überlistet. Ein aussichtsreiches Schleppen erfordert gute Wetter- und Gewässerkenntnisse und ein geschultes Auge für die Natur. Durch die Erfahrung mit jeder einzelner Schlepptour steigen die Erfolgschancen und es kommt der Moment, wenn diese Art der Fischerei nicht mehr gemisst werden kann.

Grundsatz

Einen grösseren Gewässerabschnitt systematisch in verschiedenen Wassertiefen mithilfe eines Bootes, einer angebrachten Methode sowie einer dem Gewässer und dem Zielfisch angepassten Methode zu durchsuchen – das ist Schleppfischen. Der Erfolg ist von der richtigen Ausrüstung, deren Methoden, der Köderauswahl, Gewässer- und Wetterkenntnissen, Schleppgeschwindigkeit und -tiefe abhängig. Durch das Schleppen sind sämtliche Wassertiefen von 1 bis 80 m befischbar – also überall dort, wo sich unsere Zielfische aufhalten. Die Köder werden nicht durch Einholen der Schnur in verführerische Bewegungen versetzt, sondern hinter dem fahrenden Boot hergezogen. Das ermöglicht das Anbieten von mehreren Anbissstellen gleichzeitig. Eine Vielzahl von Schleppmethoden steht hierbei zur Auswahl und wird der Fischart und dem Gewässer angepasst. Bei sämtlichen Schleppmethoden ist eine gut sichtbare Markierung, in Form einer weissen Kugel (Durchmesser mind. 30 cm), am Boot anzubringen. Dies verhindert unangenehme Bekanntschaften mit weiteren Seenutzern und hilft, Materialverlust zu reduzieren. Generell gilt, dass die Köder erst ins Wasser gelassen werden, wenn das gewünschte Schlepptempo erreicht ist. Das heisst, das Boot befindet sich bereits in Bewegung, wenn die Köder in Position gebracht werden. Zugleich kann das Laufverhalten der Köder bereits VOR dem Auslassen kurz neben dem Boot getestet und allenfalls korrigiert oder ausgewechselt werden. Von Vorteil ist das Führen einer eigenen Statistik. Hiermit können aussichtslose Schlepptouren reduziert und Erfolgschancen gesteigert werden. Über die Zeit hinweg ergibt sich ein umfangreiches Wissen, welches gezielt genutzt wird.

Geschichte

Schleppfischen wird in alten Angelbüchern als ehrwürdige Angeltechnik dargestellt. Die Fischer unter unseren Vorfahren hatten schon vor vielen tausend Jahren das Bedürfnis, ihre Fänge und Methoden den Mitmenschen auf Höhlenmalereien und in Form von geschnitzten Kunstwerken mitzuteilen. In der vorchristlichen Kunst der Ägypter und Griechen findet man die ersten Schleppangler oder Meerfischer mit Ruten. Münzprägungen vor über 2000 Jahren und später Bilder in Büchern haben viele Fischereierlebnisse der heutigen Zeit erhalten. Die ersten Schleppangler waren Indianer und Inuits. Sie knoteten aus Haaren geflochtene Schnüre an ihre Paddel. Ihre Köder waren kunstvoll aus Knochen bearbeitet. Durch die Ruderbewegung gerieten die Köder in reizvolle Bewegungen. Ihr Zielfisch war in erster Linie der Lachs. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Fischerei mit Rute und Rolle und künstlichen Ködern auf Raubfische ausgeübt. Es waren v.a. Skandinavier, welche sich der Spezialisierung, Erweiterung und Entwicklung der Ausrüstung annahmen. Darum auch die vielen Fischermarken, welche noch immer ihren Hauptsitz in Skandinavien haben. Die Erfindung des Downriggers, Planerboards, der Tiefseerolle usw. haben dann die Schleppangelei in den letzten Jahrzenten revolutioniert. Erste Köder, vergleichbar mit den heutigen Wobblern, stammten aus Finnland. Die Finnen schnitzten die ersten Kunstköder aus Holz, bemalten sie und versahen sie mit einer Tauchschaufel. Durch ihre typischen, einen kranken Beutefisch imitierenden, Bewegungen verleiten sie viele Raubfische zum Anbeissen. Heute wird das Schleppangeln auf Salz- und Süsswasser betrieben, zu kommerziellen Zwecken und als Freizeitbeschäftigung – und das auf der ganzen Welt. In der Schweiz gehen heute ca. 30‘000 Angler regelmässig ihrem Hobby nach. Organisiert sind sie in rund 350 Fischervereinen landesweit.

Ausrüstung

Die ganzen Fragen bezüglich Schnurlänge, Ködergrössen und -farben, Wassertiefen, Wetterverhältnisse, Methoden, Schnurmaterialien (geflochten oder monofil), mit oder ohne Stahlvorfach, Schleppgeschwindigkeit etc. kann niemand generell beantworten, da die Wahl der Ausrüstung von Gewässer zu Gewässer sehr unterschiedlich ist. Es gilt, Erfahrungen zu sammeln, die eigene Statistik zu führen und Durchhaltewille zu zeigen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die „eigene“ Variante zum Erfolg führt. Jeder der unzähligen Köder fängt seine Fische. Es gilt nur, diese zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, bei richtigen Bedingungen mit der richtigen Schleppgeschwindigkeit anzubieten. Die Multirolle ist immer im Vorteil, wenn es um das Schleppfischen geht. Für das Fischen in z.T. grossen Tiefen und beim Drill kampfstarker Fische bietet sie diverse Vorteile gegenüber der Stationärrolle. Die Multirolle kann den stetigen Belastungen entgegenwirken und verfügt über ein robustes Getriebe sowie eine zuverlässige Bremse. Ein sehr wichtiges Zubehör ist der Rutenhalter. Er muss fest, sicher und dauerhaft angebracht sein. Die Ruten müssen stabil stationiert sein und bei einem Biss sofort ergriffen werden können. Die Auswahl im Fachhandel ist riesig und oftmals unbrauchbar. Es empfiehlt sich, stabile Rutenhalter aus Metall herstellen zu lassen. Ein Vorteil bei der Eigenkreation ist die flexible Wahl der Montage bzw. des Standortes. Die Vorrichtungen werden vorteilshalber seitlich und im hinteren Drittel des Bootes montiert. Kabinenboote bieten auch auf dem Dach eine gute Platziermöglichkeit. Endlose Ködervarianten mit verschiedenen Lauftiefen, Farben, Grössen etc. erschweren uns Fischern unsere Freizeitbeschäftigung. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht. Erfahrungen zeigen, dass die eigenen, bevorzugten Köder im Hausgewässer plötzlich in anderen Seen keinen Erfolg bringen – und umgekehrt. Also nutzen wir diese Gegebenheiten aus und machen Gebrauch von einem der Hauptvorteile des Schleppangelns: der Anzahl der Anbissstellen. Das Ausprobieren verschiedener Modelle, Schnurlängen, Bleie etc. ist unumgänglich. Bis einige Köder ihre Fische bringen und bei diesen Ködern in Form von z.B. Farbe und Grösse ausgebaut werden kann. Das Finden „seiner“ Lieblingsschleppmethode(n) und deren Köder kann viele Stunden, Tage, Wochen, Monate ja sogar Jahre dauern – doch es lohnt sich, diese Zeit zu investieren. Spätestens wenn der erste Meter-Hecht oder die erste 10-pfündige Seeforelle gefeumert wird, wird man sich daran erinnern.

Schlepproute

Mit einer modernen Ausrüstung lassen sich die Tiefe des Gewässers sowie die Standorte der Beute- und Raubfische ermitteln. Mit dem Echolot werden Untiefen, Kanten, Krautbänke, Unterwasserberge, Felsvorsprünge und Flachwasserbereiche ausfindig gemacht. In jedem Gewässer gibt es Bereiche, in denen sich weinig bis keine Fische aufhalten. Aktuelle Studien beweisen, dass sich 90 Prozent der Fische in 10 Prozent des Gewässers befinden – und dies unabhängig davon, ob es sich um ein überschaubares, pflanzenreiches Biotop oder um einen glasklaren, grossflächigen Voralpensee handelt. Mit der Verwendung einer Gewässerkarte (physisch oder Echolot) werden vielversprechende Stellen gezielt angesteuert und mehrmals befahren. Markierungspunkte an Land, wie Bergspitzen, Schifflänten, markante Bäume und Gebäude, dienen als Navigationshilfen. Der Austausch mit gewässerkundigen Fischern und die Nutzung des Echolotes sind von grosser Bedeutung. Fischkontakte werden auf der Gewässerkarte markiert und in der eigenen Statistik eingetragen. Es lohnt sich, diese Stellen erneut anzusteuern. Unabhängig von der Schleppmethode ist das Fahren von leichtem Zickzack-Kurs sehr empfehlenswert. Oftmals gibt es in einer Kurve den erhofften Biss. Dies hängt damit zusammen, dass unsere Köder von den Räubern beobachtet oder sogar verfolgt werden. Sobald sich eine Unregelmässigkeit im Laufverhalten ergibt – der Köder kurz sinkt, anhält, verlangsamt oder beschleunigt – schiesst der Zielfisch auf den Köder zu.

Echolot

Schleppen ohne Echolot ist fast undenkbar. Es vermittelt sehr viele wichtige Erkenntnisse. Mit den Angaben über die genaue Wassertiefe unter dem Boot können wir entlang der Kanten, oberhalb von Krautbänken oder in der Sprungschicht fischen. Das Echolot besteht aus einem Sender und einem Empfänger sowie dem Bildschirm. Der Sender, auch Geber genannt, ist unter dem Boot an der Heckkante fest montiert und schickt von dort Schallwellen aus. Diese werden vom Grund oder von den Fischen reflektiert und vom Empfänger aufgenommen und auf dem Bildschirm wiedergegeben. Je nach Gerät bzw. Einstellung werden die Fische als Sichel, Punkt, Balken oder Fischsymbol dargestellt. Es braucht viel Übung, um genau zu erkennen, ob es sich um einen Fisch oder einen anderen Schwimmkörper (Pflanze, Holz, Dreck etc.) handelt. Weiter braucht es ein Echolot mit Tempoanzeige. Mit der Zeit weiss man, welcher der Köder bei welchen Bedingungen und welcher Geschwindigkeit Fische bringt.

Biss

Beim Biss wird das Schlepptempo beibehalten oder nur wenig reduziert, um ein Gewirr mit den restlichen Schnüren und Ködern zu vermeiden. Es ist kein Anhieb notwendig. Durch die Schleppgeschwindigkeit hakt sich der Fisch von selbst. Voraussetzung ist eine regelmässige Kontrolle der Hakenschärfe. Während dem Drill versuchen kapitale Fische oft, Schutz (Holzstämme, Schilf, Ufer-Zonebereiche etc.) aufzusuchen. Das heisst, falls man sich zum Zeitpunkt des Beissens in Ufernähe befindet, empfiehlt es sich, tiefere Wasserstellen bzw. die Seemitte aufzusuchen, also langsam anzusteuern. ACHTUNG: in Bootsnähe, kurz vor dem Feumern, werden die Räuber häufig nochmals explodieren und letzte Fluchtversuche starten. Vorbereitet sein und mit der Rutenbremse arbeiten, ist hier angebracht. Einer der grössten Fehler wird beim Feumern gemacht. Und zwar muss der Fisch ruhig neben dem Boot mitschwimmen, bevor das Netz Wasserkontakt hat. Das Netz wird langsam und deutlich hinter dem Fisch ins Wasser eingetaucht – die Rute oder der Drillstock wird jetzt langsam gegen hinten, also entgegen der Fahrtrichtung bewegt und mit dem Netz gleichzeitig dagegen geführt – dann ist der Fisch im Netz.