Es fällt einem schwer an einem Aquarium vorbeizugehen ohne einen Blick in diese geheimnisvolle Welt zu werfen. Vor allem die Schönheit der sorgfältig gestalteten Lebensräume mit verschiedenen Fischen ist es, die uns zum Anhalten und Staunen bringt. Für die, die immer Fische sehen müssen ist ein Aquarium mit einheimischen Fischarten definitiv eine Überlegung wert! Wenn man als Fischer auch nur einen Bruchteil so viel Zeit dafür aufbringt, wie auf oder am Gewässer, dann kann die Idee der Anschaffung von Fischen in den eigenen vier Wänden sicher weiterverfolgt werden.

Kaltwasseraquarium vs. Aquarium

Das Kaltwasseraquarium ist die ursprüngliche Form sämtlicher Aquarien. Aufgrund der grösseren Möglichkeiten betreffend Bepflanzung, Dekoration und schlussendlich der verschiedenen Fischarten in allen denkbaren Farben und Grössen, ist das Kaltwasseraquarium über all die Jahre fast in Vergessenheit geraten. Und genau hier liegt der Reiz etwas zu erschaffen, was nicht jeder hat. Z.B. den Versuch zu starten, einen Ausschnitt des Hausgewässers nachzubauen. Ein natürlich gestaltetes Kaltwasseraquarium mit einheimischen Fischen hat verschiedene Eigenschaften: Sauerstoffreiches Wasser mit leistungsstarkem Filter,  abwechslungsreicher Boden vom feinen Sand bis zum grobkörnigen Kies, Holzstrukturen, Versteckmöglichkeiten in Form von Fischunterständen oder Höhlen aus groben Steinen.

Fischvielfalt

Grundsätzlich können alle einheimischen Fischarten in einem Kaltwasseraquarium eingesetzt werden und diese können theoretisch auch überleben – aber eben nur theoretisch. Aus Sicht des tiergerechten Umgangs macht es jedoch bei einer Vielzahl von Fischarten keinen Sinn, diese in einem Kaltwasseraquarium zu halten – sei es wegen der Fütterung, den Platzverhältnissen, der Wassertemperatur oder ganz einfach weil der Lebensraum überhaupt nicht dem der Natur entspricht. Eine Auswahl möglicher und zugleich sinnvoller Fischarten: Moderlischen, Orfen, Elritze, Rotfeder, Rotauge, Gründling, Stichling, Bitterling, Karpfen, Schleie, Laube, Hasel, Strömer und Alet. Als Einsteiger empfiehlt es sich mit Rotfedern/Rotaugen, Gründlingen und Moderlieschen zu starten. Diese sind einfach zu pflegen,  weil sie wenig Ansprüche haben. Sehr wichtig ist, die maximale Anzahl von Fischen nicht zu überschreiten. Die Faustregel besagt auf 1 Liter Wasser 1 cm Fisch. Wobei man bei der Fischgrösse berücksichtigen muss, dass diese je nach Art und Regelmässigkeit der Fütterung, stark wachsen können, somit geht man am besten von Anfang an von der Maximalgrösse der Fische aus. Von Raubfischen ist leider generell abzuraten. Diese bringen viel Unruhe in ein Aquarium, fressen fast nur Lebendfutter und produzieren somit viel Dreck. Krebse neigen dazu abzuhauen – sie schaffen es irgendwie immer! Mit der gemachten Auswahl kann eine sehr schöne, vielseitige Unterwasserwelt gestaltet werden. Um sicherzustellen, dass sich die Fische verteilen, kann bei der Anschaffung darauf geachtet werden, dass Grundfische (Gründling, Karpfen), Fische im Mittelwasser (Rotfeder, Rotauge) und solche mit Vorlieben zum nahen Oberflächenwasser (Moderlieschen) besorgt werden.

Inspiration Thunersee

Für die Einrichtung sind einem fast keine Grenzen gesetzt. Am besten man begibt sich ans Wasser, sammelt Schwemmholz und passende Steine ein, spaziert durch Schluchten und betrachtet Wände aus Nagelfluh oder sammelt Ideen in einem Naturschutzgebiet. So machen sich Muschelschalen optisch sehr gut im Kaltwasseraquarium. Fasziniert vom eigenen Gewässer, dem Thunersee, sollten in unserem Beispiel realitätsgetreu wenig bis gar keine Wasserpflanzen das Kaltwasseraquarium zieren. Eine Nachbildung der tiefen Unterwasserfelswände wurde mittels selbst einbetonierter Rückwand geschaffen. Die Schilfbänke im Gwatt bei Thun oder im Neuhaus in Interlaken werden durch Bambusstangen vertreten. Weil leider auch viel Unrat am Gewässergrund lagert, kann hier mit einer leeren Bierflasche oder ausgewaschenen Ziegelsteinen ausgeholfen werden. Feel free!

Platzwahl

Bei der Standortwahl gilt für das Kaltwasseraquarium die gleiche Regel wie für andere Aquarien: Es sollte nicht in der prallen Sonne stehen, denn Sonnenlicht begünstigt das Algenwachstum. Das Wasser kann sich ausserdem zu sehr erwärmen, was nicht nur der Wasserqualität, sondern auch den Fischen schadet. Aus diesem Grund ist ein Thermometer essenziell, um zu gewährleisten, dass die Wassertemperatur – vor allem im Sommer – nicht über 25°C steigt. Grössere und somit schwere Aquarien sollten unbedingt an einer tragenden Wand stehen. Auch mit Bodenheizung ist besondere Sorgfalt angesagt (Gewicht). Für eine ausreichende Beleuchtung sorgen Zeitschaltuhren. Im Sommer strahlen diese bis zu vierzehn-, im Winter rund acht Stunden.

Zusammenfassung:

  • Unterschiedlicher Bodengrund
  • Starker Filter
  • Vermeiden hoher Wassertemperaturen (max. 25°C)
  • Geeigneter Standort
  • Thermometer (Kontrollen)
  • Sorgfältige Fischauswahl (Fischarten und Anzahl)
  • Bewusstsein Zeitaufwand (Pflege)