„Schleppen ist für Deppen“, ein regelmässig gehörter Spruch in Fischerkreisen. Für jene, welche das Schleppfischen die schönste Art der Fischerei ist, betrachten diesen Satz gerne als Blödsinn. Und im Grunde genommen ist er es auch. Ganz klar, es ist etwas anderes, auf dem Boot zu sitzen und zu warten, bis ein Felchen die Nymphe nimmt, mit einer Spinnrute versuchen eine Forelle am Bach zu überlisten oder eine Trockenfliege sanft auf dem Wasser zu präsentieren, in der Hoffnung ein Äesch pflückt sich das Imitat von der Wasseroberfläche.

Der Reiz, der vom Schleppen auf Hecht, Seeforelle und Seesaibling ausgeht muss enorm sein – sonst würden nicht so viele Fischer diese finanziellen Belastungen und aufwendiges und zeitraubendes Auslegen der Ködervorrichtungen auf sich nehmen. Alleine die Aussicht auf Seeforellenfillets ist es bestimmt nicht. Die Faszination wird geprägt von einer einzigartigen Mischung an Faktoren: Da sind die Erlebnisse und Erfahrungen auf dem See. Der Einfluss vom Wetter auf den eigenen Körper macht auf seine eigene Art süchtig. Am Ende des Tages hat man eine gesunde Müdigkeit in sich – ganztägig der Sonne ausgesetzt oder von der Kälte durchgefroren – aber der Geist ist wie befreit! Private und berufliche Sorgen oder Frust sind auf einmal wie weggeblasen.

Der Umstand, dass man selbstständig mit dem Fischerboot herumfährt, stellt ganz andere Anforderungen an den Fischer als das blosse Auswerfen seines Köders. Navigieren unter der Berücksichtigung von anderen Seenutzern wie die Kursschifffahrt, Seglern, Ruderbooten und Standuppaddlern, das Lesen der Seekarte und Tiefenkurven, das Einschätzen von Wetter und Wind – all das sind Punkte, die gelernt sein wollen, vor allem dann, wenn man das Hobby verantwortungsvoll ausüben will und sich und andere nicht unnötig in Gefahr bringt.

Dazu kommt das Beherrschen der ganzen Bootstechnik. Nicht nur in Bedienung, sondern auch in punkto Installation und Instandhaltung: das Schleppangeln beschäftig die Schleppfischer weit mehr Tage als nur die Stunden zwischen Sonnenauf- und Untergang, die man nun konkret auf dem Wasser verbringt. Zum Werterhalt muss das Boot gepflegt werden, was über eine Jahresputzete hinausgeht. Es gilt viel mehr, selbst Hand anzulegen und sich technische Fertigkeiten anzueignen. Egal ob ein Occasionmodel oder ein fabrikneues Boot gekauft wird – um Anpassungen mittels Bohren, Schrauben und Ausprobieren kommt man nicht herum. Kaum ist eine Montage gemacht wird sie getestet und das mit der Umbauerei beginnt wieder von vorne – bis zur Perfektion. Alles muss den eigenen Bedürfnissen angepasst und schlussendlich aufs Schleppfischen ausgerichtet werden. Viele Stunden Getüftel sind fast schon vorprogrammiert. Das gehört ebenso zum Hobby wie die Vorbereitungen der Schleppausrüstung selbst: Haken werden mit der Zeit stumpf und müssen regelmässig ausgetauscht bzw. geschliffen werden, Vorfächer mindestens einmal pro Saison ersetzt. Die Rollen und Ruten sind zu inspizieren. Bei den Rollen sind die Schnüre zu kontrollieren – bereits geringe Schwachstellen führen zum Fischverlust und das passiert meistens bei einem kapitalen Fisch. Auch defekte Rutenringe beschädigen die Schnur und führen, früher oder später, zum unnötigen Schnurbruch. Zusammengefasst gilt es eine saubere Einsatzvorbereitung zu machen: Das Fischerboot ist mit einer angebrachten, robusten Schleppvorrichtung ausgestattet, die Ausrüstung auf Qualität und Vollständigkeit geprüft und genügend dem Zielfisch angepasste Köder liegen griffbereit.

Irgendwann geht es endlich aufs Wasser und dann beginnt die „Faszination Schleppfischen“. Das Boot verlässt langsam den Hafen tuckert Richtung Seemitte. Die Fischer an Bord sind für sich, auf der Suche nach dem einzelnen Traumfisch, den es irgendwo im See zu finden gibt. Das Schleppfischen ist dabei eine suchende Fangmethode mit Wartezeiten – es ist die wohl spannendste Form der Langweile. Wenn Ruten und Planerboards mit Ködern bestückt sind und hinter und neben dem Boot schwimmen, wenn Tiefserolle und Downrigger ausgelegt sind – ja dann kann sekündlich der Biss erfolgen. Das unüberhörbare Geräusch der Rutenbremse verursacht Adrenalinschübe vom Schönsten und der Drill beginnt. Doch bis es soweit ist, vergehen Stunden, und in manchen Zeiten sogar viele Tage.

Das Erleben dieser Momente erfordert entgegen anderer Annahmen durchaus den Vollblutfischer. Auch wenn so typische Aspekte wie das geschickte Auswerfen nicht gefragt sind. Und auch wenn das Boot letztlich die Köder durch das Wasser zieht und nicht der Fischer durch aktives Einkurbeln des Köders. Ohne eigene Überzeugung geht gar nichts. Bei der Suche nach einem idealen Bootspartner begegnen einem viele Dutzende, die gerne mal „mitfahren“ möchten. Doch richtige Fischer, die auf Augenhöhe mitdenken können gibt es nur wenige.

Wer glaubt, dass ein gehakter Fisch sich so einfach aus dem Wasser ziehen lässt, der täuscht sich gewaltig. Gerade Meterplus-Hechte und kapitale Seeforellen stellen uns Fischer vor grosse Herausforderungen. Wer hier nicht hellwach Kursänderungen pariert und gleichzeitig mit der Rollenbremse gut umgehen kann, der hat häufig das Nachsehen. Umso schöner ist die Belohnung, wenn ein Ausnahefang im Boot ist.

Falls du mehr Informationen über diese spannende Methode der Fischerei haben willst, dann haben wir Tipps & Tricks in unserer Kategorie Schleppfischen. Hier findest du Ausführungen zu verschiedenen hier verbreiteten Schleppmethoden, zur Ausrüstung und wie du bei einem Biss richtig reagierst.