Start zum Eglibaumprojekt Thunersee! Rund 40 Fischer und 10 Taucher unterstützten mit ihrer Mithilfe das 5-jährige Projekt bei der Durchführung und machten so die Umsetzung erst möglich. Die 300 ausgedienten Weihnachtsbäume haben ihren Platz am Seegrund des Thunersees gefunden und dienen nun mehrere Jahre als Versteckmöglichkeiten sowie als Laichplätze für Fische. Nach Treffen der Beteiligten, Analysen der Erfolgskontrollen und einigen Aha-Erlebnissen, kann eine erste Zwischenbilanz zum Eglibaumprojekt Thunersee gezogen werden:

Vorbereitung & Platzwahl
Basierend auf den Erfahrungen vom Eglibaumprojekt Wohlensee sind wir in die Arbeiten zu unserem Vorhaben, dem Eglibaumprojekt Thunersee, im Sommer 2016 gestartet. Die Treffen mit den Initianten vom Eglibaumprojekt Wohlensee und dem zuständigen Fischereiaufseher haben ergeben, dass wir eine Bewilligung für das 5-Jahre dauernde Projekt besitzen müssen. Die Zustimmung vom Oberingenieurkreis I und dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt und der Berufsfischer, konnte durch den zuständigen Fischereiaufseher eingeholt und in die fischereirechtliche Bewilligung eingearbeitet werden. Diese für uns wichtige Bewilligung war das OK und gleichzeitig der Startschuss für unseren Beitrag zu „Fischer schaffen Lebensraum“.

In einer ersten Phase ging es darum, mögliche Partner für die Durchführung zu gewinnen. Mit der Zusage von weiteren Fischern und Sporttauchern konnte der Umfang des Projekts definiert werden. Die Finanzierung des 1. Durchführungsjahres 2017 wurde durch den Ökofonds der Energie Thun AG sichergestellt. Pro verkaufte Kilowattstunde Thuner AAREstrom fliesst 1 Rappen in einen Ökofonds, der Projekte zur Erhaltung von Naturparadiesen, Verbesserungen an Gewässern oder naturnahen Gestaltung von Lebensräumen in Thun und Umgebung fördert. So auch für das Eglibaumprojekt Thunersee.

Von Anfang an galt es, geeignete Plätze für die Zwischenlagerung-, aber auch für die Verankerung der Bäume am Seegrund zu finden. Wir berücksichtigten hier die Auflagen der Fischereirechtlichen Bewilligung (geringe Unterwasserstruktur und wenig Wasserpflanzen, ausser Reichweite von Berufsfischernetzen, kein Konflikt mit der Kurs- und Güterschifffahrt). Auch haben wir bewusst Standorte ausgewählt, an denen sich bereits Eglischwärme vorfinden. Schlussendlich haben wir uns auf DREI geeignete Standorte im unteren Thunerseebecken beschränkt. Jeder dieser Plätze sollte mit je 100 Tannenbäumen bestückt werden. Die Positionen der Bäume haben wir mittels gut sichtbaren, gelben Bojen an der Wasseroberfläche provisorisch markiert. Pro Markierung werden immer 10 Weihnachtsbäume relativ kompakt befestigt – so entstehen zusätzliche Unterstände. Jede Baumgruppe hat ein Nummernschild für die vereinfachte Durchführung der Erfolgskontrolle erhalten. Die Bojen wurden unmittelbar nach der Verankerung entfernt. Die Nummernschilder bleiben bis nach den Erfolgskontrollen am Seegrund.

Verankerung
Die Anwesenheiten vom zuständigen Fischereiaufseher und der Seepolizei verdeutlichen das Interesse an einer gelungenen Umsetzung des Projekts. Auch die Präsenz verschiedener Tageszeitungen, dem bekanntesten Fischereifachmagazin der Schweiz, dem Petri Heil, sowie die Berichterstattung im Radio bestätigen die aktuelle Nachfrage an Umwelt- und Gewässerschutz bezogenen Themen.

Nach einer Zwischenlagerung an Land von rund zwei Monaten auf dem Areal der Vigier Beton Berner Oberland im Werk Einigen, wurden die Tannenbäume mittels Schwimmplattform und Fischerbooten an die vorgesehenen Standorte verschoben und schlussendlich durch die Sporttaucher am Seegrund verankert (Wassertiefe 6 bis max. 10 Meter). Gemäss den Auflagen müssen die Weihnachtsbäume so befestigt werden, dass sie sich nicht selbständig lösen und etwa der Kursschifffahrt oder der Berufsfischerei in die Quere kommen können. Diese Auflage befolgen wir, indem jeder Baum mittels Juteschnur an einem Kalksandstein befestigt und schlussendlich im Schlick des Seegrundes vergraben wird. Ist diese Befestigung einmal vorgenommen, können sich die Weihnachtsbäume nicht mehr selbständig machen oder etwa durch Wellen oder Strömung ausgerissen werden.

Erfolgskontrollen
Insgesamt haben fünf Tauchgänge während der Laichzeit zwischen April und Juni stattgefunden. Die Sichtverhältnisse haben uns jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgrund der Schneeschmelze haben die Taucher auf Wassertiefen von 8 bis 12 Metern fast keine Sichtweite gehabt und nur bei den oberen Wassertiefen, d.h. bei ca. 6 Metern einige brauchbare Unterwasseraufnahmen machen können. Dafür sind wir auf die einzelnen „Pilot-Bäume“, welche in den Vorjahren auf 3 bis 5 Metern Wassertiefe versenkt wurden ausgewichen und haben hier ein paar spektakuläre Aufnahmen von Eglilaich machen können. Während den Sommermonaten, also NACH der Laichzeit der Egli, konnten wir an zwei von drei Standorten auffällig viele Jungfische oberhalb der versenkten Tannenbäume feststellen. Wegen der Grösse der Fische und nach Rücksprache mit dem Fischereiinspektorat, dürften diese Fischschwärme vom Vorjahr stammen. Es zeigt jedoch, dass sich diese Fische aus irgendwelchen Gründen wie z.B. Futtervorkommnissen oder Versteckmöglichkeiten genau in unmittelbarer Nähe der Weihnachtsbäume aufhalten – das darf klar als Teil-Erfolg gewertet werden.

Erkenntnisse
Die Grösse der Weihnachtsbäume scheint nicht relevant zu sein. Aufgrund einer Vereinfachung des Projektprozesses, kann zukünftig auf Tannen von über 150cm Grösse verzichtet werden. Auch bei der Position der Verankerung (Stamm vertikal in Richtung Seegrund oder in Richtung Wasseroberfläche) konnten wir keinen Unterschied feststellen. Weil die Tannenbäume, welche mit ihrer Spitze Richtung Seegrund durch die Fächerung der Äste mehr Schutz bieten und die Befestigung mittels Juteschnur an der Tannenspitze einfacher möglich ist, werden wir diese Variante n.w.v. so umsetzen. Des Weiteren kann kein Unterschied bei der Wahl der Tannenart (Rottanne, Kiefer, Fichte etc.) im Bezug aufs Ablaichen festgestellt werden. Wir haben Laichschläuche an Ästen mit- und ohne Nadeln feststellen können. Als zweckmässigste Tannenbaumart hat sich jedoch die verbreitete Nordmannstanne herausgestellt. Durch ihre weichen Nadeln sticht sie kaum und ist so für den Transport und die Befestigung der Kalksandsteine unserer Ansicht nach am geeignetsten.

Um eine aussagekräftige Fotodokumentation zu erstellen und um schliesslich weitere Erkenntnisse zu gewinnen, scheint es uns wichtig, dass neue Plätze für die Verankerung gefunden werden müssen. Diese sollten aus den oben erwähnten Gründen in Flachwasserzonen von 3-5 Metern Wassertiefe liegen.

Danke & bis bald!
An dieser Stelle bedanke ich mich im Namen von Highland Fishing für die angenehme Zusammenarbeit mit sämtlichen involvierten Parteien. Speziell bedanken wir uns bei der Vigier Beton Berner Oberland, welche uns im Werk Einigen einen idealen Platz zur Zwischenlagerung der Weihnachtsbäume zur Verfügung gestellt hat, bei den Fischern vom derFischereiverein.ch, welcher die Mannpower für die Befestigungen der Weihnachtsäume und die Verschiebungen mittels Fischerbooten stellte, beim Tauch-Boot-Thunersee – ohne die Sporttaucher könnten die Verankerungsarbeiten nie stattfinden und nicht zuletzt ein grosses Merci an Karl und Tinu Moser – sie haben sich zusätzlich den Erfolgskontrollen angenommen.

Die Arbeiten zum Startjahr 2017 vom Eglibaumprojekt Thunersee sind mit diesem Bericht abgeschlossen.

Daniel Ducret
Präsident Highland Fishing, Verantwortlicher Projekt

ALLE in diesem Bericht gezeigten Bilder wurden am, auf oder im Thunersee im 2017 gemacht. Die Unterwasseraufnahmen inkl. Bilder vom Eglilaich stammen von Karl Moser und sind ebenfalls vom Thunersee.

     
 
 

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